Zukunftsperspektiven


AbsolventInnen der Religionswissenschaft eröffnen sich jenseits akademischer Perspektiven zahlreiche und oftmals ungeahnte Karrierewege. Aus diesem Grunde veranstaltet das Wiener Institut für Religionswissenschaft semesterweise ein Treffen mit AbsolventInnen  um Studierende für die eigene, zukünftige Karriere zu inspirieren. Im Rahmen der Veranstaltung "Quo vadis? Karriereperspektiven für ReligionswissenschaftlerInnen" werden deshalb Berufsbiographien von AbsolventInnen präsentiert, wodurch die Studierenden unterschiedliche Karrieremöglichkeiten kennenlernen und im Austausch mit den AbsolventInnen Tipps und Tricks für die eigene Karriereplanung erhalten sollen. 

Nachstehend können Sie auf ein wachsendes Archiv an Karriereprofilen zugreifen.

 

Quo vadis III (21. November 2017)

Perspektive 9: Die Ombudsfrau (Wiener Krankenanstaltenverbund)

Elisabeth Hofstätter absolvierte ursprünglich eine Ausbildung zur Biomedizinischen Analytikerin und arbeitet bereits seit vielen Jahren – aktuell als Ombudsfrau – beim Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV), einem Unternehmen mit über 30.000 MitarbeiterInnen. Sie habe die religiösen Themen Tod und Jenseitsvorstellungen immer schon in unmittelbarem Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit im Gesundheitswesen gesehen, weshalb sie sich schließlich 1993 für ein Studium der Religionswissenschaft entschieden habe. Allerdings sei zu diesem Zeitpunkt das Individuelle Diplomstudium Religionswissenschaft noch nicht installiert gewesen, weshalb sie sich zunächst für das Studium Indologie, Tibet- und Buddhismuskunde (mit einem religionsspezifischen Fokus) eingeschrieben habe. Im Jahr 1999 habe Elisabeth schließlich als eine der Ersten die Chance ergriffen, sich für das Individuelle Diplomstudium Religionswissenschaft zu inskribieren. Drei Jahre später erhielt sie als erste Absolventin des Fachs ihren Abschluss mit einer Diplomarbeit zu „Die Göttin Kālī in Ost und West: Von der blutrünstigen Stammesgöttin zur Galeonsfigur der Frauenemanzipation“. Sie schloss ihre akademische Laufbahn schließlich mit einem Doktorat in Indologie, einem Zusatzdiplom in Religionspsychologie und einem Doktorat in Palliative Care und Organisationsethik ab. In ihrer zweiten Dissertation schrieb sie über „Spiritual Care“, mit religionsspezifischem Fokus. 

Elisabeth berichtet, sie habe sich im Laufe ihrer Karriere um Bewältigungsstrategien der multikulturellen Vielfalt von MitarbeiterInnen und PatientInnen bemüht, mit dem Ziel Konflikte zu minimieren bzw. auszuschließen. Dabei hätten die Themen Religion und Interkulturelle Kommunikation stets eine große Rolle gespielt. Als der Bedarf für entsprechende Schulungen erkannt wurde, sei es ihr gelungen sich als Expertin im interkulturellen und religiösen Feld und als Verantwortliche zur Abdeckung dieses Themengebietes im KAV etablieren. Sie habe einen entsprechenden Lehrgang zusammengestellt und Trainings für die MitarbeiterInnen des KAV angeboten – häufig für Pflegepersonal, welches am meisten mit den PatientInnen konfrontiert sei. Im Anschluss sei eine Veranstaltungsreihe mit dem Titel „Interkulturelle Kompetenz durch Begegnung mit den Religionen der Welt“ ins Leben gerufen worden. Teil dieser äußerst beliebten Reihe seien verschiedenste Religionen gewesen: von den abrahamitischen Religionen, den Hindu-Religionen und Buddhismus über Sikhismus, chinesische und afrikanische Religionen. Inhaltlich sei zunächst ein kurzer Einblick in die Glaubenslehre geboten, der Fokus dann aber auf dem medizinischen Kontext (Tabus, Reinheitsvorschriften, Speisegebote), auf dem Themenkomplex Sterben – Tod – Trauer, auf der Medizinethik (Inhaltsstoffe von Medikamenten, Umgang mit Obduktion, Sterbehilfe), sowie dem Thema „Frau und Religion“ gelegt worden. Für diese Fortbildungsreihe erhielt Elisabeth 2006 den Gesundheitspreis der Stadt Wien. Aufgrund ihrer hohen Kompetenz bezüglich Religion wurde sie in der Folge als Mitglied des Palliative Teams im Kaiserin Elisabethspital damit beauftragt, zwei interreligiöse Verabschiedungsräume ausstatten zu lassen. Im Zuge dieser Aufgabe trat sie persönlich an viele Religionsgemeinschaften heran, um das interkulturelle und interreligiöse Projekt vorzustellen und etablierte sich schließlich als direkte Ansprechpartnerin für die einzelnen ReligionsvertreterInnen. Elisabeth organisierte schließlich eine große Einweihungszeremonie für diese Verabschiedungsräume, bei der RepräsentantInnen der großen, in Wien vertretenen Religionsgemeinschaften die Räumlichkeiten mit einem kleinen Ritual ihrer Bestimmung übergaben. Ein weiterer Meilenstein sei ein 2003 herausgegebener Erlass über das Tragen von religiösen Kopfbedeckungen im Berufsalltag des Wiener KAV gewesen, zu dem sie mit ihrer Expertise maßgeblich beigetragen konnte und welcher im KAV weiterhin Gültigkeit besitzt. 

Heute arbeitet Elisabeth im Qualitäts- und Beschwerdemanagement des KAV. Bei der Bewerbung seien das religionsspezifische Wissen und die interkulturelle Kompetenz, welche sie sich im Zuge des Studiums der Religionswissenschaft angeeignet hatte, jener ausschlaggebende Punkt gewesen, der ihr den Vorteil gegenüber ihren MitbewerberInnen gegeben habe. Interkulturelle und religiöse Probleme stünden an der Tagesordnung, bei deren Lösung sie ihre Expertise einbringen könne. Aus diesem Grund fungiere sie mittlerweile als die Expertin und die erste Ansprechpartnerin für religiöse und interkulturelle Themen innerhalb des KAV. Auch bei den weiteren Erfolgen im beruflichen Werdegang (Stelle in der Generaldirektion im Verwaltungsdienst) habe sie dankbar auf ihre im Studium erworbenen Qualifikationen zurückgreifen können. Nach wie vor halte sie regelmäßig ihre erfolgreichen Schulungen für Ärzte und Pflegepersonal, hauptsächlich zu den Themen „Islam“, Interkulturelle Kompetenz“ und „Sterben, Tod und Trauer“ ab. Zurzeit seien entsprechende Schulungen auch für die Medizinische Universität Wien angedacht.

In einem Fazit bezeichnet Elisabeth das Studium der Religionswissenschaft als ein anfängliches Interessensstudium und Hobby. Aber sie habe es verstanden, ihr Interesse zum Beruf zu machen, da sie den Bedarf an qualifizierten interkulturellen und religionsspezifischen TrainerInnen für Schulungen innerhalb des KAV erkannt habe und somit ihr religionswissenschaftliches Studium in diesem Kontext vorteilshaft nützen konnte. 


Perspektive 8: Die Sprach- und Bildungstrainerin (Don Bosco Flüchtlingswerk)

Cornelia Krisper studierte von 2002 bis 2008 das Individuelle Diplomstudium Religionswissenschaft und schloss ihr Studium (Mag.) mit einer Diplomarbeit zu „Herrgott und Brautseele: Die Geschlechterbeziehung als Metapher für die Gott-Mensch-Konstellation in der mittelalterlichen Frauen- und Männermystik des Christentums“. Als gelernte Buchhändlerin arbeitete sie während des Studiums in Buchhandlungen und danach in einem Buchverlag. Im Anschluss an ihr Studium absolvierte sie Ausbildungen zur Trainerin für Deutsch als Zweit- und Fremdsprache (DAF/DAZ), sowie zur Basisbildungs- und Alphabetisierungstrainerin für Menschen mit nichtdeutscher Muttersprache. Diese Ausbildung verstand sie als eine Art „zweites Standbein“ neben ihrem Studium. Cornelia betont an dieser Stelle die Wichtigkeit, religionswissenschaftliches Wissen mit anderen Wissenssparten bzw. Praxiserfahrung zu verschränken. Dies diene markant einer Profilschärfung, die eminent sei am Arbeitsmarkt. Aktuell leitet Cornelia ein Bildungsprojekt im Don Bosco Flüchtlingswerk, das jugendlichen Flüchtlingen eine Basisbildung sowie Deutschkenntnisse vermittelt. 

Die Religionswissenschaft sei für Cornelia ursprünglich zwar ein reines Interessensstudium, ohne speziellen Berufswunsch gewesen; allerdings ermögliche ihre derzeitige berufliche Tätigkeit immer wieder studiumspezifische Kompetenzen abzurufen, namentlich im Umgang mit der religiösen Vielfalt der sie und ihre MitarbeiterInnen gegenüberstünden. Obgleich der Islam kein Schwerpunkt Ihrer religionswissenschaftlichen Ausbildung gewesen sei – das Gros ihrer KlientInnen habe muslimischen Hintergrund – konnte sie aufbauend auf ihrer religionswissenschaftlichen Basiskompetenz, Tiefergehendes erfolgreich im Rahmen von Selbststudien erschließen. Allgemein werde Cornelia von KollegInnen überdies häufig in einer beratenden Funktion für religionsspezifische Alltagsfragen konsultiert, wenn diese mit Situationen im Unterricht überfragt seien bzw. sich Interesse an Hintergrundinformationen zu den Religionen ihrer SchülerInnen auftue.

Einschlägige Kompetenzen als Absolventin des Faches könne Cornelia ferner in einem Nebenjob einbringen, den sie eben aufgrund ihrer religionswissenschaftlichen Expertise angeboten bekommen habe. Konkret unterrichte sie am Berufsförderungsinstitut (BFI) ein Modul zu „Religion“ als Teil des Lehrganges für werdende DAF/DAZ-TrainerInnen. In diesem Modul werde den KursteilnehmerInnen ein reichhaltiger Überblick über verschiedene religiöse Traditionen und speziell deren Situierung in Österreich verschafft. Dabei handele es sich aus gegebenem Anlass vor allem um Inhalte rund um das Thema Islam. Aber auch der Umgang mit religiösen Ritualen, Religionspluralismus im Unterricht und eine allgemeine Sensibilität gegenüber Religion seien Themen, denen sie sich in ihrer Lehrtätigkeit zuwende. Dies zeige, dass der hohe Stellenwert, den Religion für viele SchülerInnen einnehme, von den Bildungseinrichtungen ernst genommen und indes in entsprechenden Schulungsmaßnahmen kommuniziert werde. Dass diese bedeutsame Aufgabe, die zuvor von einer islamischen Theologin ausgeübt wurde, nun von einer Absolventin der Religionswissenschaft übernommen wird, ist sehr erfreulich.

Perspektive 7: Die Sozialarbeiterin (Sozialversicherungsanstalt der Bauern)

Franziska Altenhofer hat zwischen 2006 und 2015 das Individuelle Diplomstudium Religionswissenschaft (Mag.) studiert. Ihre Diplomarbeit verfasste sie zu „Bestattung ohne Glaubensbekenntnis: Eine Analyse der Möglichkeiten von Bestattungen für Personen ohne Bekenntnis im ländlichen Raum Oberösterreichs“. Der Medienbereich war eine Branche, der sie zum Zeitpunkt des Studienbeginns sehr interessiert, weshalb sie sich – erfolgreich – für ein viermonatiges Praktikum beim ORF in der Religionsabteilung beworben habe. Nach diesem Praktikum habe sie sich zwar gegen eine Karriere im Medienbereich entschieden, aber ihr Interesse an Religion sei dafür umso mehr entfacht worden. Dem bereits angefangenen Studium der Publizistik habe sie daraufhin den Rücken gekehrt um sich ausschließlich auf das neu inskribierte Individuelle Diplomstudium Religionswissenschaft zu konzentrieren. Franziska erzählt von bisweilen kritischen Reaktionen in ihrem Umfeld aufgrund vermeintlich fehlender Jobperspektiven eines solchen Studiums. Allerdings habe sie stets selbstbewusst entgegnet, dass sie ihren Interessen bereits im Studium folgen müsse, um auch später einen den Interessen entsprechenden Beruf finden zu können. Ein weiterer früh keimender Interessensschwerpunkt sei der Bereich Soziales gewesen, weshalb Franziska zusätzlich noch Sozialarbeit an der Fachhochschule Linz studiert habe. Nebenbei habe sie in einem Hort gearbeitet, wo sie ihre religionsspezifischen Kenntnisse in der Betreuung der Kinder aus unterschiedlichen Kulturen einbringen konnte.

Allgemein sei sie während ihres religionswissenschaftlichen Studiums abseits der Seminarräume sehr aktiv gewesen, habe an vielen Exkursionen und Wochenendseminaren, wie etwa beim Bundesheer oder im Gefängnis, teilgenommen und habe sich außerdem engagiert an Auslandsexkursionen (Jerusalem und Togo/Benin) beteiligt. Jede dieser Erfahrungen habe im Einzelnen einen wichtigen Grundbaustein für ihren weiteren Weg gelegt. Es waren auch speziell diese Ausflüge ins Feld, die in Karrieregesprächen stets großes Interesse gezeitigt hätten.

Sowohl am Institut für Religionswissenschaft als auch in der Fachhochschule Linz habe sich der Themenkomplex Tod, Trauer und Jenseits wie ein roter Faden durch ihre Studien gezogen. Schließlich habe sie sich auch in ihren Abschlussarbeiten mit diesen Themen befasst. Ihre auf eine Feldstudie aufgebaute religionswissenschaftliche sollte schließlich in unmittelbarem Zusammenhang mit ihrem ersten Job nach dem Studium, bei der Bestattung Linz AG, stehen. Trotz Beendigung des Dienstverhältnisses stelle für sie der Beruf der Bestatterin, aufgrund ihres aus dem Studium der Religionswissenschaft gewachsenen regen Interesses für Tod und Trauerarbeit, nach wie vor eine Art Traumberuf dar. 

Schließlich ergatterte Franziska bei der Sozialversicherungsanstalt der Bauern die Stelle einer Sozialarbeiterin. Sie habe den Job erhalten, da sie einerseits die Grundvoraussetzungen, nämlich SozialarbeiterInnenausbildung und Herkunft aus dem bäuerlichen Umfeld erfüllte, und andererseits aufgrund ihres Studienabschlusses sowie ihrem Vorwissen bezüglich Trauer, Tod und den damit zusammenhängenden Bewältigungsstrategien. In diesem Dienstverhältnis ist Franziska als Reha-Beraterin beschäftigt und arbeitet mit schwer-, teils todkranken KlientInnen zusammen. Aus diesem Grund sei ihr religionswissenschaftlicher Fokus auf Tod, Trauer und Jenseitsvorstellungen bei ihrer Bewerbung besonders positiv aufgenommen worden und habe letztlich den entscheidenden Vorteil gegenüber StellenkonkurrentInnen dargestellt. Religionswissenschaftliches Wissen sei in ihrem Tätigkeitsbereich äußerst gefragt und anwendbar; immerhin arbeite sie mit Menschen aus einem sehr traditionsbewussten Milieu zusammen, für welche Religion nach wie vor eine große Rolle spiele. Viele erkrankte Personen beruhige es, mit jemandem zu sprechen, der/die ein religionswissenschaftliches Studium absolviert hat. Natürlich kämen auch religionskritische Fragen auf, da sich viele KlientInnen in einer unglücklichen, ja oft als „gottlos“ bezeichneten Situation wähnen würden. In solch heiklen Gesprächssituationen sei inhaltliche Expertise freilich neben Praxisgeschick wesentlich. Franziska resümiert, dass ihr sowohl von den KlientInnen und deren Angehörigen als auch von ihren Dienstgebern sehr positives Feedback über ihre religionswissenschaftliche Kompetenz entgegengebracht werde.

Quo vadis II (20. Juni 2017)

Perspektive 6: Die Kulturvermittlerin (KulturKontakt Austria)

Sabine Forstner-Widter absolvierte das individuelle Diplomstudium Religionswissenschaft (Mag. 2008) mit einer Arbeit zu "Religiöse Elemente in Fantasy-Literatur als Bezugsquelle religionskompositorischer Weltanschauungen". Während ihres Studiums hat sie bereits kontinuierlich parallel im Kulturbereich  gearbeitet und dabei reichlich Berufserfahrung gesammelt, die ihr nach dem Studium für die Berufsfindung sehr hilfreich war. Sich ein umfangreiches berufliches Netzwerk aufzubauen ist auch ihr wesentlicher Hinweis für jeden, der im Bereich Kultur arbeiten möchte. Sabine erzählt, dass es denn im Allgemeinen sehr schwierig sei in der Kulturszene Fuß zu fassen ohne die Einbindung in entsprechende Netzwerke. Ein erster Türöffner sei etwa die Praktikumstätigkeit, die leider viel zu oft quasi "ehrenamtlich" durchzuführen sei. Generell stellt sie fest, dass die durch das Studium der Religionswissenschaft erworbenen Kompetenzen zahlreiche Anknüpfungspunkte im Kulturbetrieb böten; zuvörderst die Fähigkeit zu kritischem Denken und eigenständigem Arbeiten wie auch interkulturelle und -religiöse Expertise. 

Sabine betont die Relevanz ansprechender Bewerbungen und empfiehlt besonderes Augenmerk auf eine gut strukturierte und allgemein ästhetische Darstellung zu richten; ein Kriterium, das sie selbst in der Durchsicht von Jobbewerbungen heute anwendet. Da sich unter der Studienrichtung Religionswissenschaft möglicherweise ein völlig anderes bzw. falsches Bild gemacht werde, lohne sich—speziell auch in Hinsicht auf die Vorbereitung eines Bewerbungsgespräches—zu reflektieren, welche faktischen und methodischen Kompetenzen man während des Studiums gewonnen habe und diese entsprechend anzuführen. Sabine rät auch allen Studierenden mehr Nutzen von fremdsprachigen Veranstaltungen zu machen; sie habe das leider vernachlässigt und bedaure dies heute.

Perspektive 5: Die Kunsthistorikern (ÖAW)

Stefanie Linsboth absolvierte Diplomstudien der Religionswissenschaft (Mag. 2011) sowie der Kunstgeschichte (Mag. phil. 2012), wobei ihre Abschlussarbeit in ersterem Studienfach das Thema "Todespersonifikationen und Geschlechterbilder in der Grafik des 20. Jahrhunderts" behandelte. Schon während ihres Studiums begann Stefanie an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW)—zuerst im administrativen, später im wissenschaftlichen Bereich—zu arbeiten. Derzeit ist sie Mitarbeiterin eines Forschungsprojektes zur Herrscherrepräsentation Maria Theresias und arbeitet an einer Dissertation zur "Religiosität und Frömmigkeit in der visuellen Herrscherrepräsentation Maria Theresias".

Stefanie erklärt, dass es für sie sehr wichtig war, schon während des Studiums Einblicke in den Berufsalltag zu gewinnen. Das Studium der Religionswissenschaft habe sie mit Blick auf ihre aktuelle Tätigkeit vor allem in Sachen Methodik und Theoriebildung geschult. Man lerne, wie man mit religiöser Diversität und Kulturalität sachgerecht umzugehen habe. Speziell aber auch die Interdisziplinarität, welche ihr durch das Doppelstudium ermöglicht wurde, sei eine wichtige, weil profilschärfende Bereicherung, welche im Berufsalltag, zumal als Kunsthistorikerin, gerne gesehen werde. Sie plädiert dafür im Studium neben thematischen Schwerpunkten auch auf das Erlernen und Einüben persönlicher soft skills zu achten. Als Student/in in einem "geschützten Rahmen" solle man deshalb lernen, die Scheu vor dem Sprechen und vor Vorträgen abzulegen und sich in Diskussionsprozesse und den Ablauf eines Seminars möglichst aktiv einzubringen. Dies sei vor allem—aber freilich nicht nur—für Studierende wichtig, die eine akademische Laufbahn anstreben, denn dort würden diese Fähigkeiten häufig benötigt. Letztlich betont Stefanie die Wichtigkeit, schon frühzeitig einschlägige Fremdsprachenkenntnisse (Englisch als Basis und darüber hinausgehend je nach individueller Schwerpunktsetzung) auszubauen.

Perspektive 4: Die Zeitungsjournalistin (News)

Valerie Krb absolvierte das Individuelle Diplomstudium Religionswissenschaft (Mag. 2010) mit einer Arbeit über "Motive des Religionswechsels zur Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage". Schon während des Studiums erwachte in ihr das Interesse für die journalistische Verarbeitung religiöser Themen, weswegen sie schließlich mehrere Praktika bei Der Standard, der Süddeutschen Zeitung aber auch beim ORF abschloss. Ihre Erfahrungen dabei bestärkten sie in ihrer Berufsidee. Gegenwärtig arbeite sie nach einer Station bei der Wiener Bezirkszeitung als Redakteurin für Innenpolitik bei News, wo sie ihre Interessen immer wieder fruchtbar einbringen kann. Valerie erzählt, dass sie bei ihren Bewerbungen vor allem durch ihr außergewöhnliches Studium auffiel, denn im Journalismus sei speziell facheinschlägiges Wissen relevant. Das journalistische Handwerk hat sie sich nicht nur in der Praxis, sondern nach Abschluss ihres Studiums auch am Journalistenkolleg der österreichischen Medienakademie in Salzburg angeeignet.

Ihre Empfehlung an Studierende, die ebenso an einer Tätigkeit im Journalismus interessiert sind, ist zuvörderst möglichst aktiv ein Netzwerk aufzubauen, zumal zahlreiche einschlägige Jobs nicht notwendigerweise ausgeschrieben werden. Vieles ergebe sich denn im Rahmen jener Netzwerke durch "Mundpropaganda". Außerdem rät Valerie zu Initiativbewerbungen bei Medienunternehmen. Es sei ferner von Vorteil, gezielt Schwerpunkte im Studium zu setzen, um so das eigene Berufsprofil zu schärfen. Genauso verhalte es sich mit Zusatzausbildungen, deren Wichtigkeit sie betont. Zudem solle man sich ausreichend früh um solide Englischkenntnisse bemühen, denn im Journalismus seien diese erfahrungsgemäß eine Unabdingbarkeit. In diesem Sinne rät Valerie vermehrt auf das Angebot englischsprachiger Lehrveranstaltungen während des Studiums zurückzugreifen. Ein Tipp gibt die Journalistin noch für die Gestaltung des Lebenslaufs: man solle unbedingt erwähnen, was man durch das Studium der Religionswissenschaft gelernt und welche Fertigkeiten man erworben habe (etwa auch mit besonderem Augenmerk auf gewonnene Exkursionserfahrungen). Es sei schlicht so, dass sich viele potentielle ArbeitgeberInnen unter dem Fach Religionswissenschaft nur wenig bis gar nichts vorstellen können. Überdies stehe eine Verwechselung mit Theologie regelrecht an der Tagesordnung. Eine knappe Auseinandersetzung der Fachidentität hätte in ihrem Fall stets für ein Aha-Erlebnis und mithin sehr positive Reaktionen gesorgt.

Quo vadis I (16. Jänner 2017)

Perspektive 3: Die Verwaltungsleiterin (Microbial Ecology)

Barbara Urbanic absolvierte das individuelle Diplomstudium Religionswissenschaft (Mag. 2014) mit einer Abschlussarbeit zu "Apocalypse Now-ish: Protestantischer Fundamentalismus in den USA und das Ende der Welt." Heute arbeitet sie als leitende Administratorin des Instituts für Mikrobiologie und Ökosystemforschung der Universität Wien. Bereits während des Studiums arbeitete Barbara als Studienvertreterin und beim Student Point, was ihr Organisationsvermögen, und das Jonglieren zwischen Arbeit und Studium schulte. Da zusätzliche Ausbildungen nach dem Studium diese Fähigkeiten oft nicht ersetzen können, plädiert sie für ein "berufsbegleitendes" Studieren.

Bei Bewerbungsgesprächen—so erzählt Barbara—machte sie wiederholt die Erfahrung, dass ArbeitgeberInnen betont positiv und mit großem Interesse auf ihren Abschluss in Religionswissenschaft reagierten. Allgemein signalisiere ein abgeschlossenes Universitätsstudium dem/der potenziellen ArbeitgeberIn, dass man zu Selbstorganisation und eigenständigem Arbeiten sowie Denken fähig sei. Ganz besonders möchte Barbara den Studierenden der Religionswissenschaft ans Herz legen, die vielen Möglichkeiten der Universität Wien zu nutzen und auch das einschlägige Lehrangebot anderer Institute wahrzunehmen, zumal sich dieses im M.A.-Programm Religionswissenschaft oft auch gut eingliedern lasse.
 

Perspektive 2: Die Radiojournalistin (Ö1)

Kerstin Tretina absolvierte den Master in Religionswissenschaft (M.A. 2016) mit einer Abschlussarbeit zu "Sehnsucht nach Ganzheitlichkeit: Weshalb sind Formen von holistischer Spiritualität für Frauen besonders attraktiv?" Da Kerstin schon im Alter von 18 Jahren beim "Kurier" zu arbeiten begann, sah und sieht sie sich stets als Journalistin. Aus diesem Grund absolvierte sie zunächst auch den Bachelor "Journalismus" an der FH Wien. Dort wurde sie durch den Studiengangleiter auf Fortbildungsmöglichkeiten aufmerksam gemacht, wobei ihr damals ein weiterführendes Universitätsstudium im Speziellen attraktiv erschien. Eingeschrieben an der Universität Wien entflammte ihre Leidenschaft rasch für das Fach der Religionswissenschaft. Es folgten Praktika beim Fernsehen und in der Lehrredaktion der Infoabteilung des ORF Radio. Kerstin betont, dass sie neben ihren Studien stets arbeitete. So schnupperte sie etwa bei Ö1 in die Religionsabteilung hinein, wurde daraufhin zur freien Mitarbeiterin und ist dort seit 2015 fest angestellt. Nun gestaltet und produziert sie Beiträge sowie Sendungen rund um das Thema Religion. 

Studierenden der Religionswissenschaft rät sie das Augenmerk auf gekonnte Selbstpräsentation zu legen, d.h. zu lernen wie man sich und seine Fähigkeiten erfolgreich einsetzen und präsentieren kann. Ohnehin seien zusätzliche Ausbildungen neben dem Studium für eine erfolgreiche Karriere unabdingbar—so Kerstin. Als besonders wichtig erachtet sie grundsätzlich initiativ und aufmerksam zu sein. In der Medienlandschaft empfindet sie die Wahrnehmung der Religionswissenschaft als äußerst positiv. Insbesondere die sachliche Denkweise der Religionswissenschaft gemäß dem Fachselbstverständnis hätte sich bewährt und sollte entsprechend von den Studierenden übernommen werden. Konkret heißt das: Soweit möglich Neutralität wahren, sich der eigenen Position bewusst sein, vorschnelle Bewertungen vermeiden, sich eine eigene Meinung bilden und sich mit Themen kritisch auseinandersetzen.
 

Perspektive 1: Der Bibliothekar (Vetmed)

Georg Zippenfenig absolvierte das individuelle Diplomstudium Religionswissenschaft (Mag. 2012) mit einer Abschlussarbeit zu "Religion am Rand des Feldes? Eine Untersuchung zu funktionalen Elementen von Religion bei Fußballfans." Heute arbeitet er im Zeitschriftenmanagement der Bibliothek der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Georg verweist die Studierenden auf das breite Lehrangebot an der Universität Wien, welches in seiner Vielfalt einzigartig sei und deshalb unbedingt wahrgenommen werden sollte. Des Weiteren betont er die Wichtigkeit der Verbesserung der  englischen Sprachkenntnisse für den persönlichen Karriereweg. Diese seien von großem Nutzen und Wert, weswegen er den Studierenden empfiehlt sich vor Universitätskursen in englischer Sprache nicht zu scheuen. In der postuniversitären Arbeitswelt—so erzählt Georg—erfreut er sich der steten Aufmerksamkeit, die seiner akademischen Expertise in einer doch nicht allzu bekannten Wissenschaftsdisziplin, entgegengebracht wird. 

Im Reigen von Bewerbungen empfiehlt Georg die Vorzüge (Anspruch höchstmöglicher Objektivität, Allgemeinwissen, interkulturelle Kompetenz, etc.) und Einzigartigkeit der religionswissenschaftlichen Ausbildung betontermaßen in den Blickpunkt zu nehmen. Zudem solle die religionswissenschaftliche Expertise idealerweise durch einen klar definierten Schwerpunkt verfeinert werden, was das eigene Berufsprofil in der Außenwahrnehmung prägnant stärken würde. In seinem Fall war dies die Fokussierung auf das Bibliothekswesen und eine zusätzliche Ausbildung in "Library Studies."