Zukunftsperspektiven


AbsolventInnen der Religionswissenschaft eröffnen sich jenseits akademischer Perspektiven zahlreiche und oftmals ungeahnte Karrierewege. Aus diesem Grunde veranstaltet das Wiener Institut für Religionswissenschaft semesterweise ein Treffen mit AbsolventInnen  um Studierende für die eigene, zukünftige Karriere zu inspirieren. Im Rahmen der Veranstaltung "Quo vadis? Karriereperspektiven für ReligionswissenschaftlerInnen" werden deshalb Berufsbiographien von AbsolventInnen präsentiert, wodurch die Studierenden unterschiedliche Karrieremöglichkeiten kennenlernen und im Austausch mit den AbsolventInnen Tipps und Tricks für die eigene Karriereplanung erhalten sollen. 

Nachstehend können Sie auf ein wachsendes Archiv an Karriereprofilen zugreifen.

 

Quo vadis II (20. Juni 2017)

Perspektive 6: Die Kulturvermittlerin (KulturKontakt Austria)

Sabine Forstner-Widter absolvierte das individuelle Diplomstudium Religionswissenschaft (Mag. 2008) mit einer Arbeit zu "Religiöse Elemente in Fantasy-Literatur als Bezugsquelle religionskompositorischer Weltanschauungen". Während ihres Studiums hat sie bereits kontinuierlich parallel im Kulturbereich  gearbeitet und dabei reichlich Berufserfahrung gesammelt, die ihr nach dem Studium für die Berufsfindung sehr hilfreich war. Sich ein umfangreiches berufliches Netzwerk aufzubauen ist auch ihr wesentlicher Hinweis für jeden, der im Bereich Kultur arbeiten möchte. Sabine erzählt, dass es denn im Allgemeinen sehr schwierig sei in der Kulturszene Fuß zu fassen ohne die Einbindung in entsprechende Netzwerke. Ein erster Türöffner sei etwa die Praktikumstätigkeit, die leider viel zu oft quasi "ehrenamtlich" durchzuführen sei. Generell stellt sie fest, dass die durch das Studium der Religionswissenschaft erworbenen Kompetenzen zahlreiche Anknüpfungspunkte im Kulturbetrieb böten; zuvörderst die Fähigkeit zu kritischem Denken und eigenständigem Arbeiten wie auch interkulturelle und -religiöse Expertise. 

Sabine betont die Relevanz ansprechender Bewerbungen und empfiehlt besonderes Augenmerk auf eine gut strukturierte und allgemein ästhetische Darstellung zu richten; ein Kriterium, das sie selbst in der Durchsicht von Jobbewerbungen heute anwendet. Da sich unter der Studienrichtung Religionswissenschaft möglicherweise ein völlig anderes bzw. falsches Bild gemacht werde, lohne sich—speziell auch in Hinsicht auf die Vorbereitung eines Bewerbungsgespräches—zu reflektieren, welche faktischen und methodischen Kompetenzen man während des Studiums gewonnen habe und diese entsprechend anzuführen. Sabine rät auch allen Studierenden mehr Nutzen von fremdsprachigen Veranstaltungen zu machen; sie habe das leider vernachlässigt und bedaure dies heute.

Perspektive 5: Die Kunsthistorikern (ÖAW)

Stefanie Linsboth absolvierte Diplomstudien der Religionswissenschaft (Mag. 2011) sowie der Kunstgeschichte (Mag. phil. 2012), wobei ihre Abschlussarbeit in ersterem Studienfach das Thema "Todespersonifikationen und Geschlechterbilder in der Grafik des 20. Jahrhunderts" behandelte. Schon während ihres Studiums begann Stefanie an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW)—zuerst im administrativen, später im wissenschaftlichen Bereich—zu arbeiten. Derzeit ist sie Mitarbeiterin eines Forschungsprojektes zur Herrscherrepräsentation Maria Theresias und arbeitet an einer Dissertation zur "Religiosität und Frömmigkeit in der visuellen Herrscherrepräsentation Maria Theresias".

Stefanie erklärt, dass es für sie sehr wichtig war, schon während des Studiums Einblicke in den Berufsalltag zu gewinnen. Das Studium der Religionswissenschaft habe sie mit Blick auf ihre aktuelle Tätigkeit vor allem in Sachen Methodik und Theoriebildung geschult. Man lerne, wie man mit religiöser Diversität und Kulturalität sachgerecht umzugehen habe. Speziell aber auch die Interdisziplinarität, welche ihr durch das Doppelstudium ermöglicht wurde, sei eine wichtige, weil profilschärfende Bereicherung, welche im Berufsalltag, zumal als Kunsthistorikerin, gerne gesehen werde. Sie plädiert dafür im Studium neben thematischen Schwerpunkten auch auf das Erlernen und Einüben persönlicher soft skills zu achten. Als Student/in in einem "geschützten Rahmen" solle man deshalb lernen, die Scheu vor dem Sprechen und vor Vorträgen abzulegen und sich in Diskussionsprozesse und den Ablauf eines Seminars möglichst aktiv einzubringen. Dies sei vor allem—aber freilich nicht nur—für Studierende wichtig, die eine akademische Laufbahn anstreben, denn dort würden diese Fähigkeiten häufig benötigt. Letztlich betont Stefanie die Wichtigkeit, schon frühzeitig einschlägige Fremdsprachenkenntnisse (Englisch als Basis und darüber hinausgehend je nach individueller Schwerpunktsetzung) auszubauen.

Perspektive 4: Die Zeitungsjournalistin (News)

Valerie Krb absolvierte das Individuelle Diplomstudium Religionswissenschaft (Mag. 2010) mit einer Arbeit über "Motive des Religionswechsels zur Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage". Schon während des Studiums erwachte in ihr das Interesse für die journalistische Verarbeitung religiöser Themen, weswegen sie schließlich mehrere Praktika bei Der Standard, der Süddeutschen Zeitung aber auch beim ORF abschloss. Ihre Erfahrungen dabei bestärkten sie in ihrer Berufsidee. Gegenwärtig arbeite sie nach einer Station bei der Wiener Bezirkszeitung als Redakteurin für Innenpolitik bei News, wo sie ihre Interessen immer wieder fruchtbar einbringen kann. Valerie erzählt, dass sie bei ihren Bewerbungen vor allem durch ihr außergewöhnliches Studium auffiel, denn im Journalismus sei speziell facheinschlägiges Wissen relevant. Das journalistische Handwerk hat sie sich nicht nur in der Praxis, sondern nach Abschluss ihres Studiums auch am Journalistenkolleg der österreichischen Medienakademie in Salzburg angeeignet.

Ihre Empfehlung an Studierende, die ebenso an einer Tätigkeit im Journalismus interessiert sind, ist zuvörderst möglichst aktiv ein Netzwerk aufzubauen, zumal zahlreiche einschlägige Jobs nicht notwendigerweise ausgeschrieben werden. Vieles ergebe sich denn im Rahmen jener Netzwerke durch "Mundpropaganda". Außerdem rät Valerie zu Initiativbewerbungen bei Medienunternehmen. Es sei ferner von Vorteil, gezielt Schwerpunkte im Studium zu setzen, um so das eigene Berufsprofil zu schärfen. Genauso verhalte es sich mit Zusatzausbildungen, deren Wichtigkeit sie betont. Zudem solle man sich ausreichend früh um solide Englischkenntnisse bemühen, denn im Journalismus seien diese erfahrungsgemäß eine Unabdingbarkeit. In diesem Sinne rät Valerie vermehrt auf das Angebot englischsprachiger Lehrveranstaltungen während des Studiums zurückzugreifen. Ein Tipp gibt die Journalistin noch für die Gestaltung des Lebenslaufs: man solle unbedingt erwähnen, was man durch das Studium der Religionswissenschaft gelernt und welche Fertigkeiten man erworben habe (etwa auch mit besonderem Augenmerk auf gewonnene Exkursionserfahrungen). Es sei schlicht so, dass sich viele potentielle ArbeitgeberInnen unter dem Fach Religionswissenschaft nur wenig bis gar nichts vorstellen können. Überdies stehe eine Verwechselung mit Theologie regelrecht an der Tagesordnung. Eine knappe Auseinandersetzung der Fachidentität hätte in ihrem Fall stets für ein Aha-Erlebnis und mithin sehr positive Reaktionen gesorgt.

Quo vadis I (16. Jänner 2017)

Perspektive 3: Die Verwaltungsleiterin (Microbial Ecology)

Barbara Urbanic absolvierte das individuelle Diplomstudium Religionswissenschaft (Mag. 2014) mit einer Abschlussarbeit zu "Apocalypse Now-ish: Protestantischer Fundamentalismus in den USA und das Ende der Welt." Heute arbeitet sie als leitende Administratorin des Instituts für Mikrobiologie und Ökosystemforschung der Universität Wien. Bereits während des Studiums arbeitete Barbara als Studienvertreterin und beim Student Point, was ihr Organisationsvermögen, und das Jonglieren zwischen Arbeit und Studium schulte. Da zusätzliche Ausbildungen nach dem Studium diese Fähigkeiten oft nicht ersetzen können, plädiert sie für ein "berufsbegleitendes" Studieren.

Bei Bewerbungsgesprächen—so erzählt Barbara—machte sie wiederholt die Erfahrung, dass ArbeitgeberInnen betont positiv und mit großem Interesse auf ihren Abschluss in Religionswissenschaft reagierten. Allgemein signalisiere ein abgeschlossenes Universitätsstudium dem/der potenziellen ArbeitgeberIn, dass man zu Selbstorganisation und eigenständigem Arbeiten sowie Denken fähig sei. Ganz besonders möchte Barbara den Studierenden der Religionswissenschaft ans Herz legen, die vielen Möglichkeiten der Universität Wien zu nutzen und auch das einschlägige Lehrangebot anderer Institute wahrzunehmen, zumal sich dieses im M.A.-Programm Religionswissenschaft oft auch gut eingliedern lasse.
 

Perspektive 2: Die Radiojournalistin (Ö1)

Kerstin Tretina absolvierte den Master in Religionswissenschaft (M.A. 2016) mit einer Abschlussarbeit zu "Sehnsucht nach Ganzheitlichkeit: Weshalb sind Formen von holistischer Spiritualität für Frauen besonders attraktiv?" Da Kerstin schon im Alter von 18 Jahren beim "Kurier" zu arbeiten begann, sah und sieht sie sich stets als Journalistin. Aus diesem Grund absolvierte sie zunächst auch den Bachelor "Journalismus" an der FH Wien. Dort wurde sie durch den Studiengangleiter auf Fortbildungsmöglichkeiten aufmerksam gemacht, wobei ihr damals ein weiterführendes Universitätsstudium im Speziellen attraktiv erschien. Eingeschrieben an der Universität Wien entflammte ihre Leidenschaft rasch für das Fach der Religionswissenschaft. Es folgten Praktika beim Fernsehen und in der Lehrredaktion der Infoabteilung des ORF Radio. Kerstin betont, dass sie neben ihren Studien stets arbeitete. So schnupperte sie etwa bei Ö1 in die Religionsabteilung hinein, wurde daraufhin zur freien Mitarbeiterin und ist dort seit 2015 fest angestellt. Nun gestaltet und produziert sie Beiträge sowie Sendungen rund um das Thema Religion. 

Studierenden der Religionswissenschaft rät sie das Augenmerk auf gekonnte Selbstpräsentation zu legen, d.h. zu lernen wie man sich und seine Fähigkeiten erfolgreich einsetzen und präsentieren kann. Ohnehin seien zusätzliche Ausbildungen neben dem Studium für eine erfolgreiche Karriere unabdingbar—so Kerstin. Als besonders wichtig erachtet sie grundsätzlich initiativ und aufmerksam zu sein. In der Medienlandschaft empfindet sie die Wahrnehmung der Religionswissenschaft als äußerst positiv. Insbesondere die sachliche Denkweise der Religionswissenschaft gemäß dem Fachselbstverständnis hätte sich bewährt und sollte entsprechend von den Studierenden übernommen werden. Konkret heißt das: Soweit möglich Neutralität wahren, sich der eigenen Position bewusst sein, vorschnelle Bewertungen vermeiden, sich eine eigene Meinung bilden und sich mit Themen kritisch auseinandersetzen.
 

Perspektive 1: Der Bibliothekar (Vetmed)

Georg Zippenfenig absolvierte das individuelle Diplomstudium Religionswissenschaft (Mag. 2012) mit einer Abschlussarbeit zu "Religion am Rand des Feldes? Eine Untersuchung zu funktionalen Elementen von Religion bei Fußballfans." Heute arbeitet er im Zeitschriftenmanagement der Bibliothek der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Georg verweist die Studierenden auf das breite Lehrangebot an der Universität Wien, welches in seiner Vielfalt einzigartig sei und deshalb unbedingt wahrgenommen werden sollte. Des Weiteren betont er die Wichtigkeit der Verbesserung der  englischen Sprachkenntnisse für den persönlichen Karriereweg. Diese seien von großem Nutzen und Wert, weswegen er den Studierenden empfiehlt sich vor Universitätskursen in englischer Sprache nicht zu scheuen. In der postuniversitären Arbeitswelt—so erzählt Georg—erfreut er sich der steten Aufmerksamkeit, die seiner akademischen Expertise in einer doch nicht allzu bekannten Wissenschaftsdisziplin, entgegengebracht wird. 

Im Reigen von Bewerbungen empfiehlt Georg die Vorzüge (Anspruch höchstmöglicher Objektivität, Allgemeinwissen, interkulturelle Kompetenz, etc.) und Einzigartigkeit der religionswissenschaftlichen Ausbildung betontermaßen in den Blickpunkt zu nehmen. Zudem solle die religionswissenschaftliche Expertise idealerweise durch einen klar definierten Schwerpunkt verfeinert werden, was das eigene Berufsprofil in der Außenwahrnehmung prägnant stärken würde. In seinem Fall war dies die Fokussierung auf das Bibliothekswesen und eine zusätzliche Ausbildung in "Library Studies."