Zukunftsperspektiven


AbsolventInnen der Religionswissenschaft eröffnen sich jenseits akademischer Perspektiven zahlreiche und oftmals ungeahnte Karrierewege. Aus diesem Grunde veranstaltet das Wiener Institut für Religionswissenschaft semesterweise ein Treffen mit AbsolventInnen  um Studierende für die eigene, zukünftige Karriere zu inspirieren. Im Rahmen der Veranstaltung "Quo vadis? Karriereperspektiven für ReligionswissenschaftlerInnen" werden deshalb Berufsbiographien von AbsolventInnen präsentiert, wodurch die Studierenden unterschiedliche Karrieremöglichkeiten kennenlernen und im Austausch mit den AbsolventInnen Tipps und Tricks für die eigene Karriereplanung erhalten sollen. 

Nachstehend können Sie auf ein wachsendes Archiv an Karriereprofilen zugreifen.

Quo vadis I (16. Jänner 2017)

Perspektive 3: Die Verwaltungsleiterin (Microbial Ecology)

Barbara Urbanic absolvierte das individuelle Diplomstudium Religionswissenschaft (Mag. 2014) mit einer Abschlussarbeit zu "Apocalypse Now-ish: Protestantischer Fundamentalismus in den USA und das Ende der Welt." Heute arbeitet sie als leitende Administratorin des Instituts für Mikrobiologie und Ökosystemforschung der Universität Wien. Bereits während des Studiums arbeitete Barbara als Studienvertreterin und beim Student Point, was ihr Organisationsvermögen, und das Jonglieren zwischen Arbeit und Studium schulte. Da zusätzliche Ausbildungen nach dem Studium diese Fähigkeiten oft nicht ersetzen können, plädiert sie für ein "berufsbegleitendes" Studieren.

Bei Bewerbungsgesprächen—so erzählt Barbara—machte sie wiederholt die Erfahrung, dass ArbeitgeberInnen betont positiv und mit großem Interesse auf ihren Abschluss in Religionswissenschaft reagierten. Allgemein signalisiere ein abgeschlossenes Universitätsstudium dem/der potenziellen ArbeitgeberIn, dass man zu Selbstorganisation und eigenständigem Arbeiten sowie Denken fähig sei. Ganz besonders möchte Barbara den Studierenden der Religionswissenschaft ans Herz legen, die vielen Möglichkeiten der Universität Wien zu nutzen und auch das einschlägige Lehrangebot anderer Institute wahrzunehmen, zumal sich dieses im M.A.-Programm Religionswissenschaft oft auch gut eingliedern lasse.
 

Perspektive 2: Die Journalistin (Ö1)

Kerstin Tretina absolvierte den Master in Religionswissenschaft (M.A. 2016) mit einer Abschlussarbeit zu "Sehnsucht nach Ganzheitlichkeit: Weshalb sind Formen von holistischer Spiritualität für Frauen besonders attraktiv?" Da Kerstin schon im Alter von 18 Jahren beim "Kurier" zu arbeiten begann, sah und sieht sie sich stets als Journalistin. Aus diesem Grund absolvierte sie zunächst auch den Bachelor "Journalismus" an der FH Wien. Dort wurde sie durch den Studiengangleiter auf Fortbildungsmöglichkeiten aufmerksam gemacht, wobei ihr damals ein weiterführendes Universitätsstudium im Speziellen attraktiv erschien. Eingeschrieben an der Universität Wien entflammte ihre Leidenschaft rasch für das Fach der Religionswissenschaft. Es folgten Praktika beim Fernsehen und in der Lehrredaktion der Infoabteilung des ORF Radio. Kerstin betont, dass sie neben ihren Studien stets arbeitete. So schnupperte sie etwa bei Ö1 in die Religionsabteilung hinein, wurde daraufhin zur freien Mitarbeiterin und ist dort seit 2015 fest angestellt. Nun gestaltet und produziert sie Beiträge sowie Sendungen rund um das Thema Religion. 

Studierenden der Religionswissenschaft rät sie das Augenmerk auf gekonnte Selbstpräsentation zu legen, d.h. zu lernen wie man sich und seine Fähigkeiten erfolgreich einsetzen und präsentieren kann. Ohnehin seien zusätzliche Ausbildungen neben dem Studium für eine erfolgreiche Karriere unabdingbar—so Kerstin. Als besonders wichtig erachtet sie grundsätzlich initiativ und aufmerksam zu sein. In der Medienlandschaft empfindet sie die Wahrnehmung der Religionswissenschaft als äußerst positiv. Insbesondere die sachliche Denkweise der Religionswissenschaft gemäß dem Fachselbstverständnis hätte sich bewährt und sollte entsprechend von den Studierenden übernommen werden. Konkret heißt das: Soweit möglich Neutralität wahren, sich der eigenen Position bewusst sein, vorschnelle Bewertungen vermeiden, sich eine eigene Meinung bilden und sich mit Themen kritisch auseinandersetzen.
 

Perspektive 1: Der Bibliothekar (Vetmed)

Georg Zippenfenig absolvierte das individuelle Diplomstudium Religionswissenschaft (Mag. 2012) mit einer Abschlussarbeit zu "Religion am Rand des Feldes? Eine Untersuchung zu funktionalen Elementen von Religion bei Fußballfans." Heute arbeitet er im Zeitschriftenmanagement der Bibliothek der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Georg verweist die Studierenden auf das breite Lehrangebot an der Universität Wien, welches in seiner Vielfalt einzigartig sei und deshalb unbedingt wahrgenommen werden sollte. Des Weiteren betont er die Wichtigkeit der Verbesserung der  englischen Sprachkenntnisse für den persönlichen Karriereweg. Diese seien von großem Nutzen und Wert, weswegen er den Studierenden empfiehlt sich vor Universitätskursen in englischer Sprache nicht zu scheuen. In der postuniversitären Arbeitswelt—so erzählt Georg—erfreut er sich der steten Aufmerksamkeit, die seiner akademischen Expertise in einer doch nicht allzu bekannten Wissenschaftsdisziplin, entgegengebracht wird. 

Im Reigen von Bewerbungen empfiehlt Georg die Vorzüge (Anspruch höchstmöglicher Objektivität, Allgemeinwissen, interkulturelle Kompetenz, etc.) und Einzigartigkeit der religionswissenschaftlichen Ausbildung betontermaßen in den Blickpunkt zu nehmen. Zudem solle die religionswissenschaftliche Expertise idealerweise durch einen klar definierten Schwerpunkt verfeinert werden, was das eigene Berufsprofil in der Außenwahrnehmung prägnant stärken würde. In seinem Fall war dies die Fokussierung auf das Bibliothekswesen und eine zusätzliche Ausbildung in "Library Studies."