Forschung


Nebst diversen Kleinprojekten arbeite ich momentan an zwei großen Forschungsprojekten die eine Reihe von methodischen und theoretischen Aspekten der Religionswissenschaft umfassen. In beiden Projekten nutze ich komparative, textbasierte wie historische Zugänge, wobei dem reflektierten Gegenstand stets theoretische Erörterungen zugrunde liegen. Diese dienen in der Folge denn auch als treibende Kraft für eine vertiefende Untersuchung der Kernfragen meiner aktuellen Forschung.

Disziplinäre Bahnen der Erforschung antiker Religionen

Meine gegenwärtige Forschung widmet sich der disziplinären Kluft, die im aktuellen Fachdiskurs zu antiken Religionen merklich ist. Einerseits wurde das Feld durch die detaillierten Arbeiten von Altphilologen und Althistorikern bereichert, andererseits hat die Vormachtstellung nordamerikanischer wie nordeuropäischer postmoderner Zugänge zur Kategorie "Religion" wichtige aber oft auch durchaus "gefährliche" Aspekte zutage gefördert, welche letztlich den gesamten Bereich Religionswissenschaft maßgeblich betreffen. Dennoch erscheinen diese beiden Forschungsfelder in ihren disziplinären Grenzen voneinander weitestgehend isoliert. Meine diesbezügliche Forschung siedelt sich daher am Schnittpunkt der beiden Disziplinen an, um eine methodische wie theoretische Wechselseitigkeit zu befördern, welche ob des Mangels an Interdisziplinarität bislang auf der Strecke blieb.

 

Die Erfindung frühchristlicher anti-paganer Diskurse

Diese Forschung zielt darauf ab, zu untersuchen wie christliche Autoren aus dem zweiten und dritten Jahrhundert auf pagane Religionstheorien reagierten respektive sich diese zu eigen machten um denjenigen Zeitgenossen zu trotzen, welche sich den traditionellen Religionen verschrieben. Anstelle der alten Prämisse, dass der christliche Diskurs nur eine theologische Antwort auf Angriffe seitens des "Heidentums" gewesen sei, basierend auf bloß theologischen Grundlagen, behaupte ich in diesem Projekt, dass die frühen christlichen Apologeten vielmehr daraufhin gearbeitet haben, den Glauben der christlichen Gemeinschaft zu stärken, indem sie sich dogmatischer und theoretischer Prinzipien bedienten, welche sowohl aus dem "paganen" wie dem neuformierten christlichen Milieu stammten. Auf diese Weise haben Autoren wie Justin der Märtyrer, Athenagoras von Athen, Klemens von Alexandrien und andere eine neue Verteidigungs- und Argumentationslinie entwickelt, die letztlich einer Theoretisierung von Religion als Kategorie näher stand, als die bloße Erhebung des Christentums als einzig "wahre" Religion.